Viele Leute fragen mich, wie ich mit all dem angefangen habe (es ist schließlich nicht der konventionellste Job) und viele gehen davon aus, dass ich eine dieser glücklichen Frauen bin, die Sexualität ganz entspannt erlernt haben.
Ich wünschte…. aber nein. Bei mir war das definitiv nicht der Fall. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Machtspiele und Gewalt „normal“ war. Ich entwickelte das Gefühl, ständig auf der Hut zu sein, die Fähigkeit, die Stimmung in einem Raum zu lesen, bevor ich überhaupt richtig angekommen war und das Bedürfnis, es allen recht zu machen, um den Frieden zu bewahren.
Sex lag in der Luft und war irgendwie bedrohlich. Es gab merkwürdige Anzüglichkeiten und über angenehme Sexualität wurde nie gesprochen. Ich verstand „Sex ist Sünde“ und schmutzig.
Als junge Frau hatte ich viel Scham über meinen Körper. Ich war absolut unwissend und konnte aus Peinlichkeit nicht reden, was Sexualität betraf. Ich wusste nicht, was ich mochte oder nicht und konnte keine intime Situation gestalten – sondern folgte dem Mann, der scheinbar wusste, wie es geht. Bis ich herausfand, dass auch er es nicht wusste.
Da wir in einer Kultur leben, in der Sex als Tabu gilt, war ich äußerst verwirrt und ahnungslos und wusste nicht, wo ich Antworten auf meine Fragen bekommen sollte. Zum Beispiel: Wie gehe ich mit meiner Scham um? Wie erlebe ich erfüllende Sexualität? Wie kann ich diese Art von Glückseligkeit erleben, von der die Zeitschriften immer wieder sprechen? Daheraus (1996) beschäftigte ich mich intensiv mit der Heilung meiner Weiblichkeit und meiner eigenen Sexualität. Damals war das noch sehr schwierig, Frauen zu finden, die Weiblichkeit erforschten und ich reiste viel umher. (Ich begegnete der chinesischen Medizin, Taoismus, verschiedenen Massagestile, Atemarbeit und der alten Kunst des Tantra.)
In der Praxis arbeitete ich parallel als Heilpraktikerin mit Shiatsu und TCM. Bis meine Klienten Fragen über Sexualität stellten und ich sie gerne beantwortete.
Von da an erweiterte ich mein Wissen durch die Teilnahme an vielen Schulungen und das tiefere Eintauchen in die Beckenbodengesundheit, moderne Sexologie und bewusste Sexualität.
Eines der wichtigsten Dinge, die mir in diesen Jahren der Entdeckung klar wurden, war Folgendes: Weibliche Sexualität ist ganzheitlich und braucht einen offenen Geist, Körper und Herz.
Sexualität ist natürlich und sollte entspannt im liebevollen Spiel miteinander gelebt werden – ohne Ziel, ohne Druck.